Do and don´t in Thailand

 

Wenn du deine thailändische Verwandtschaft quer über das Land verteilt hast und du nach Ankunft im Land des Lächelns jeden Schwager, Onkel  besucht hast, dann fällst du abends todmüde ins Bett und weißt nicht mehr, wie du es geschafft hast, 30-40 Wais zusammen zu bringen, ohne dass die Verwandtschaft in Gelächter verfallen wäre. 

 

Apropos....

 

 

Der Wai:

 

Der thailändische Gruß WAI wird in der thailändischen Gesellschaft sehr ernst genommen, wobei man bei Ausländern schon mal ein Auge zudrückt, wenn der Farang nicht richtig grüßt.

 

Denn der Wai wird in verschiedenen Formen angeboten

Je nach Höhe der Haltung der beiden aneinander gelegten Handflächen wird Mönchen, Vorgesetzten, Freunden, Familie etc.

unterschiedlich gegrüßt. Ein System ist für uns Ausländer auf den ersten Blick schwer zu erkennen. 

 

In Bangkok, wo ein Großteil unserer Verwandschaft wohnt, sieht man das relativ entspannt. Das liegt auch daran, dass sich unsere Verwandten mittlerweile auch lieber eine Pizza vom Italiener holen, als den Reistopf anzuwerfen. Der jüngere Thai nimmt mehr und mehr westliche Einflüsse an und diese Generation schwimmt genauso auf der Wellness- und Fitnesswelle wie hierzulande oder anderswo in Europa.

 

 

Der thailändische Gruß "Wai" - die Hände aneinander gelegt. Nachdem das ja zwei einheimische Mädels sind, gehe ich davon aus, dass der Gruß hier richtig abgebildet ist.
Der thailändische Gruß "Wai" - die Hände aneinander gelegt. Nachdem das ja zwei einheimische Mädels sind, gehe ich davon aus, dass der Gruß hier richtig abgebildet ist.

Als Frau:

Merke: Berühre niemals einen Mönch. 

Sollte ein Mönch von einer Frau berührt werden, muss er sich sofort danach waschen. 

Das wäre für manchen Deutschen auch von Nutzen, aber im Ernst, meide es, mit einem Mönch in körperlichen Kontakt zu treten.

 

Noch was, und das gilt auch für Männer:

Meide es, Kritik am oder Witze (was man ja sowieso nicht macht) über die Königsfamilie zu üben bzw. zu machen.

Die Thais kennen da keinen Spaß. Es wird schon als Königsmissachtung gesehen, wenn man einen Geldschein mit dem Abbild des Königs unsanft behandelt oder seine Spielchen damit macht. Also nicht cooler wirken, als du bist und lass es am besten, Geldscheine zu rollen oder damit zu prahlen.


Das Feilschen und Handeln:

 

Gehört natürlich in Asien und somit auch in Thailand dazu wie das tägliche Brot bzw. der tägliche Reis.

 

Wenn du es clever anstellst, dann sind so 20 % Superdiscount immer drin. Wenn meine Frau allerdings anfängt, wegen 20 Baht (das sind dann doch ganze 50 Cent) ihren Landsleuten den vermeintlichen Deal nicht zu gönnen, dann versuche ich regelmäßig die Kids auf die Seite zu nehmen und Abstand zu halten. Nein, ich gehöre da nicht dazu.

Außerdem besteht meine Frau ja sogar auf diesen Sicherheitsabstand in der Meinung, dass die Händler beim Erspähen eines Ausländers gleich ein paar Bonuspunkte draufschlagen. Würden die doch nie tun:)

Extremes Handeln gilt allerdings bei den Thais als Geiz und erweckt den Eindruck, dass das Konto nix mehr hergibt (was ja auch stimmt, zahl du mal 4 Flüge nach Thailand)

Bei den Thais ist man dann schnell der "Khon ki niau", der Geizhals und dann bist  du im Level ganz schnell unten bei den Einheimischen.

 

Wenn du die Chance bekommst und das ist als Ausländer relativ selten, dass du dich in eine thailändische Gesprächsrunde einklinken kannst, dann nutze diese.

 

Thais sind von Haus aus sehr zurück haltend und sich in solchen Fällen auszugrenzen, wäre eine verpasste Gelegenheit, mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

Meine Frau kommt aus dem Nordosten Thailands und der dortige Dialekt geht schon mehr in die laotische Sprache über, hat also mit dem, nennen wir es mal Hochthai, der Bangkoker nichts zu tun.

Und so kommt es nicht von ungefähr, dass ich bei meiner Schwiegermutter und den Brüdern meiner Frau immer meine Angetraute als Dolmetscherin benötige. Denn ich verstehe da - NICHTS.

 

Im Laufe der Jahre sind aber unsere Kinder soweit, dass sie ihrem Papa über so manche sprachliche Barriere helfen können.

Ob das zweisprachige Erziehen in punkto spätere Berufswahl was bringt, lassen wir mal dahin gestellt. Thai ist nicht die Sprache, die

die Welt spricht aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

 

 

Schulklasse im Isaan
Schulklasse im Isaan

Thais lieben das sorglose Leben, das es natürlich auch in Thailand nicht gibt.

Man macht sich über das morgen keine Gedanken. "Denken macht alt" lautet die thailändische Lebensphilosophie. Wer nicht flüssig ist, der verpfändet mal auf die Schnelle ein paar Buddhaamulette oder überflüssigen Haarschmuck.Thais sind gerne flüssig und geben, im Gegensatz zu meiner in dieser Hinsicht eher untypischen Thailänderin, gerne Geld aus, ob sie es haben oder nicht.

 

Wer zum ersten Mal mit seiner thailändischen Frau oder Mann (eine solche Konstellation soll es auch geben), der braucht ein ziemlich gut strukturiertes Nervenkostüm, was den thailändischen Wissensdurst betrifft. Das versammelt sich das ganze Dorf, um den weit gereisten Ausländer und "Reichen"?? zu begutachten. Und wenn ich von "begutachten" spreche, dann ist das auch so. 

 

Von allen Seiten wirst du bequasselt, auch wenn du kein Wort davon vestehst. Dass die Thais dann auch noch fragen, was du in Deutschland verdienst, versteht sich von selbst. Für Thais ist es nicht nachvollziehbar, dass du mit deiner ganzen Familie für 2-3 Wochen in ihr Land kommen kannst. Du MUSST einfach reich sein, auch wenn du knapp am finanziellen Ruin stehst:)

 

Wer übrigens großen Wert auf Komfort legt, der sollte sich einen mehrtägigen oder noch schlimmer mehrwöchigen Aufenthalt dort gleich abschminken. Die Menschen im Isaan leben in einfachsten Verhältnissen und die Familien dort bekommen meist erst etwas von einem gewissen Wohlstand mit, wenn das Töchterlein einen Ausländer abbekommt. Aber die Ausländer wollen ja auch eine Thai abbekommen - dann gleicht sich das wieder aus.

 

Als ich die Eltern meiner Frau das erste Mal besuchte, war es August oder September. Auf jeden Fall kein Spaß, unter Wellblechhütten zu schlafen, wenn die Hitze des Tages das Metall in unermessliche Temperaturhöhen treibt.

 

Duschen und Toiletten, wie man sie bei uns kennt, gibt es nicht.

Wenn du dann nachts über den Hof musst, um mal pinkeln zu gehen,

dann frage lieber nicht, worin du gerade gelaufen bist. Na ja, es gibt dort Hühner, Hunde, Katzen - noch Fragen?

 

Geduscht wird im Freien - und vor versammelter Dorfgemeinschaft, die den hellhäutigen Neuankömmling mal zuschauen wollen, wie er seinen europäischen Wohlstandsbauch abschrubbt. Schüchtern darfst du da nicht sein, sonst brauchst du dich tagelang nicht duschen.

 



Selten gern genommenes Thema: Der Tod.

 

Der Tod ist zwar in Thailand noch immer ein Tabuthema, aber die Thais glauben fest an ein Leben nach dem Tod, wie auch immer

das dann aussehen mag.

Fest steht, je mehr positive Taten du auf deinem Habenkonto deines irdischen Lebens gesammelt hast, desto besser bist du danach gestelt. Wir hatten - leider - die Möglichkeit, im Nordosten an einer solchen Beerdigungszeremonie teilzunehmen.

 

Wer annimmt, dass dies in dem meist gleichen ruhigen Rahmen wie in diesem, unseren Lande abläuft, der hat noch keine Beerdigung in Thailand mitgemacht. Da weißt du nicht, ob du auch einer Kirmes oder Kerwa, wie wir sagen, bist oder auf einer Trauerfeier.

 

Schon früh morgens versammelt sich die Trauergemeinde im Haus des/der Verstorbenen, um dann ein bisschen "vorzuglühen" und danach mit lautem Tammtamm und ohrenbetäubender Musik aus riesigen, auf den Ladeflächen der Pickups positionierten Lautsprecher, durchs Dorf zu ziehen. Ziel: Der nächst gelegene Tempel.

 

Die gespielte Musik nennt sich im Isaan "Morlaam", was soviel wie "Können-Musik-Gesang" bedeutet.

Diese Art von Musik stellt für viele Thais, die hier in Deutschland leben, eine Art kulturelle Verbindung zu ihrem Land her.

Das ist reine Geschmackssache. Die Musik klingt für unsere Ohren aber immer gleich und ich weiß nicht so recht....

 

Den ganz großen Durchbruch wird diese Musik weder bei DSDS oder Voice of Germanynoch sonstwo in Deutschland schaffen, aber den Thais gefällts und das ist die Hauptsache.

 

Auch was die Trauerkleidung betrifft, sehen die Thais das zumindest im Nordosten sehr leger und eher von der farbenfrohen Seite. Schwarz ist dort alles andere als Pflichtfarbe

 

Im Tempel angekommen, dreht die Dorgemeinde mehrere Runden zu Fuß um das Heiligtum. Dabei werden immer wieder ganze Ladungen von Bonbons geschmissen (nein, es ist kein Rosenmontagszug).

Die Bonbons sind für die Kinder gedacht, die bei der Beerdigung dabei sind. Sie sollen dadurch den Tod als etwas Natürliches und Normales kennen lernen und Spaß damit verbinden, auch wenn es komisch klingt.

 

Kein schönes Thema, ich weiß, aber zu den thailändischen Sitten gehört das halt dazu.